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Artikel: Akne gezielt von innen behandeln mit Lactoferrin, Vitamin E und Zink

Von Johannes Hochleitner

Akne gezielt von innen behandeln mit Lactoferrin, Vitamin E und Zink

Kann man Akne auch von innen unterstützen? Eine Studie hat genau das untersucht: Über drei Monate nahmen mehr als 160 Personen mit leichter bis mittelschwerer Akne täglich Kapseln mit Lactoferrin, Vitamin E und Zink oder ein Scheinpräparat ein. Das Ergebnis war deutlich. Bei denjenigen mit den echten Wirkstoffen gingen die Hautunreinheiten spürbar stärker zurück, erste Verbesserungen zeigten sich schon nach zwei Wochen. Nebenwirkungen gab es keine. In unserem neuen Journal Club fassen wir die wichtigsten Erkenntnisse für dich zusammen.

Akne gezielt von innen behandeln mit Lactoferrin, Vitamin E und Zink

ⓘ Dieses Bild wurde mit KI generiert.

Diese klinische Studie hat untersucht, ob Kapseln mit Lactoferrin, Vitamin E und Zink bei leichter bis mittelschwerer Akne helfen. Mehr als 160 Personen nahmen über drei Monate zweimal täglich entweder diese Kapseln oder ein Scheinpräparat ein. Bei denjenigen mit den echten Wirkstoffen gingen die Hautunreinheiten deutlich stärker zurück als bei den anderen. Erste Verbesserungen zeigten sich schon nach zwei Wochen, am deutlichsten war der Effekt nach etwa zehn Wochen. Die Kapseln wurden gut vertragen, Nebenwirkungen traten keine auf. Die Kombination kann also eine schonende Möglichkeit sein, die Haut bei Akne von innen zu unterstützen.

Hintergrund

Warum Lactoferrin bei Akne?

Akne vulgaris ist die häufigste Hauterkrankung bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. An ihrer Entstehung sind mehrere Vorgänge in der Talgdrüseneinheit beteiligt. Dazu zählen eine verstärkte Verhornung des Haarfollikels, eine gesteigerte Talgproduktion, die Besiedelung mit dem Bakterium Propionibacterium acnes sowie entzündliche Prozesse. Bewährte Aknetherapien wie topische Retinoide, Antibiotika oder Isotretinoin sind wirksam, gehen aber häufig mit Nebenwirkungen einher. Genannt werden Hautreizungen, Lichtempfindlichkeit, Fruchtschädigung in der Schwangerschaft und die Entstehung von Antibiotikaresistenzen. Es besteht daher Bedarf an gut verträglichen ergänzenden oder alternativen Therapien.

Was ist Lactoferrin?

Lactoferrin ist ein eisenbindendes Eiweiß aus der Milch, das in Labor- und Tierversuchen antibakterielle und entzündungshemmende Eigenschaften gezeigt hat. Vitamin E und Zink besitzen ihrerseits antioxidative und entzündungshemmende Wirkungen, die für die Hautgesundheit von Bedeutung sind. Die Wirkung von Lactoferrin auf Akne war bislang nur in kleinen oder nicht kontrollierten Studien untersucht worden. Die vorliegende Arbeit prüfte die Kombination aus Lactoferrin, Vitamin E und Zink erstmals in einer ausreichend großen, methodisch anspruchsvollen Studie.

Studiendesign und Methodik

Was wurde wie getestet?

Eingeschlossen wurden 168 gesunde Personen im Alter von 13 bis 40 Jahren mit leichter bis mittelschwerer Akne. Ausgeschlossen waren unter anderem Personen mit kürzlicher Anwendung von Aknemitteln, mit Einnahme hormoneller Verhütungsmittel in den vorangegangenen sechs Monaten, in Schwangerschaft oder Stillzeit sowie mit bestimmten Vorerkrankungen. Die Teilnehmenden wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei gleich große Gruppen aufgeteilt.

Die Wirkstoffgruppe erhielt Kapseln mit 100 mg Lactoferrin, 11 internationalen Einheiten Vitamin E in Form von Alpha-Tocopherol und 5 mg Zink in Form von Zinkgluconat. Die Kontrollgruppe erhielt Placebokapseln mit Stärke. Alle Teilnehmenden nahmen über zwölf Wochen zweimal täglich eine Kapsel ein, und zwar unter täglicher Aufsicht im Studienzentrum. Kontrolluntersuchungen fanden zu Studienbeginn sowie in den Wochen 2, 4, 6, 8, 10 und 12 statt.

Als wichtigstes Zielkriterium galt die Verringerung der Anzahl an nicht entzündlichen Aknelläsionen, den sogenannten Komedonen, und an entzündlichen Läsionen. Ergänzend wurden Talgkontrolle, Hautfeuchtigkeit und Hautglättung betrachtet. Von den 168 eingeschlossenen Personen schlossen 164 die Studie ab. Die vier Abbrüche erfolgten aus nicht medizinischen Gründen.

Ergebnisse

Zu Studienbeginn bestanden zwischen beiden Gruppen keine bedeutsamen Unterschiede. Die Wirkstoffkombination zeigte bereits nach zwei Wochen eine signifikante Verringerung der Gesamtläsionen um 14,5 Prozent gegenüber Placebo. Dieser Effekt blieb von Woche 6 bis Woche 12 bestehen, der größte Unterschied trat in Woche 10 mit 28,5 Prozent auf. Auch die Komedonen nahmen früh ab und erreichten in Woche 10 eine maximale Verringerung von 32,5 Prozent. Die entzündlichen Läsionen sprachen etwas später an und gingen in Woche 10 um bis zu 44 Prozent zurück. Alle genannten Unterschiede waren statistisch signifikant.

 

 

Abbildung 1: Mittlere prozentuale Veränderung der Aknelläsionen in der Wirkstoffgruppe (LEZ, also Lactoferrin, Vitamin E und Zink; gefüllte Kreise) im Vergleich zu Placebo (offene Kreise). Dargestellt sind Gesamtläsionen (a), Komedonen (b) und entzündliche Läsionen (c), jeweils bezogen auf den Ausgangswert in Woche 0. Die Sternchen kennzeichnen statistisch signifikante Unterschiede zwischen beiden Gruppen (* P < 0,05; ** P < 0,01; *** P < 0,001; **** P < 0,0001).

Eine Auswertung nach Geschlecht ergab deutliche Unterschiede. Frauen sprachen bei den Gesamtläsionen und den Komedonen früher und stärker an als Männer. Die Autorinnen und Autoren erklären dies mit einer möglichen Abmilderung prämenstrueller Akneschübe. Bei den entzündlichen Läsionen zeigte sich hingegen kein Geschlechtsunterschied, hier profitierten beide Gruppen deutlich. Die Talgproduktion nahm nach zwölf Wochen geringfügig, aber signifikant um 6,2 Prozent ab. Bei den übrigen ergänzenden Zielkriterien ergaben sich keine bedeutsamen Veränderungen.

Übersicht der wichtigsten Wirksamkeitsdaten

Läsionstyp

erster signifikanter Effekt

stärkste Verringerung

Gesamtläsionen

Woche 2 (14,5 %)

28,5 % in Woche 10

Komedonen (nicht entzündlich)

Woche 2 (16,4 %)

32,5 % in Woche 10

entzündliche Läsionen

Woche 8 (20,5 %)

44 % in Woche 10

Talgproduktion

Woche 12

6,2 % in Woche 12

Angaben als mittlere prozentuale Verringerung gegenüber Placebo, bezogen auf den Ausgangswert.

Sicherheit und Verträglichkeit

Während der gesamten Studiendauer wurden keine unerwünschten Ereignisse beobachtet. Die Kombination aus Lactoferrin, Vitamin E und Zink erwies sich damit über zwölf Wochen als gut verträglich.

Diskussion und Einordnung

Die aknemindernde Wirkung von Lactoferrin beruht vermutlich auf einem Zusammenspiel aus antibakteriellen, entzündungshemmenden und talgregulierenden Mechanismen. Lactoferrin bindet Eisen sowie Bestandteile der bakteriellen Zellwand und kann dadurch das Bakterienwachstum hemmen. Zink wirkt entzündungshemmend und hemmt zusätzlich das Enzym 5-alpha-Reduktase, wodurch die Talgproduktion sinken kann. Für Vitamin E liegen bislang keine eigenständigen Studien zur Aknewirkung vor. Die Autorinnen und Autoren gehen davon aus, dass Lactoferrin der maßgebliche Wirkstoff ist, halten einen ergänzenden Beitrag von Zink und Vitamin E jedoch für möglich.

Bei der Bewertung sind einige Punkte zu berücksichtigen. Der Beitrag der einzelnen Bestandteile lässt sich aus dem Studiendesign nicht getrennt beurteilen, da die Kombination als Ganzes geprüft wurde. Zudem wurde die Studie vom Hersteller des geprüften Produkts finanziert, und mehrere Beteiligte standen in einem beruflichen oder finanziellen Verhältnis zum Hersteller. Das randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Design mit ausreichender Teilnehmerzahl spricht dennoch für eine gute methodische Qualität. Als besondere Stärke heben die Autorinnen und Autoren hervor, dass Lactoferrin eine gut verträgliche Option für erwachsene Frauen sein könnte, auch für Schwangere, bei denen fruchtschädigende Aknemittel nicht infrage kommen.

Bedeutung für die Praxis

Die Ergebnisse stützen die Anwendung einer oralen Kombination aus Lactoferrin, Vitamin E und Zink als gut verträgliche Ergänzung oder Alternative zu etablierten Aknetherapien bei leichter bis mittelschwerer Akne. Für die Beratung ist relevant, dass erste sichtbare Effekte bereits nach etwa zwei Wochen möglich sind, das volle Ausmaß der Wirkung sich jedoch erst über mehrere Wochen einstellt. Eine ausreichend lange Anwendung von mindestens zehn bis zwölf Wochen erscheint daher sinnvoll. Einschränkend ist zu erwähnen, dass die Studie herstellerfinanziert war und weitere unabhängige Untersuchungen wünschenswert sind.

Kernaussagen

  • Die orale Kombination aus Lactoferrin, Vitamin E und Zink verringerte bei leichter bis mittelschwerer Akne die Zahl der Aknelläsionen signifikant gegenüber Placebo.

  • Erste Effekte zeigten sich bereits nach zwei Wochen, die stärkste Wirkung nach etwa zehn Wochen. Die Gesamtläsionen gingen um 28,5 Prozent zurück, die Komedonen um 32,5 Prozent und die entzündlichen Läsionen um 44 Prozent.

  • Frauen sprachen früher und stärker an als Männer, was mit prämenstruellen Akneschüben erklärt wird.

  • Die Kombination war über zwölf Wochen gut verträglich, unerwünschte Ereignisse traten nicht auf.

  • Einschränkend sind die Herstellerfinanzierung und die fehlende getrennte Bewertung der Einzelstoffe zu nennen.

Quellenverzeichnis

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28369875/

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